Tibet/China: Freiheit für Rongye Adak

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte e. V

Dem Vater von 11 Kindern drohen Folter und langjährige Haft

Rongye Adak: "Wenn wir nicht einmal den Dalai Lama in seine Heimat einladen können, dann werden wir in Tibet nie Religionsfreiheit haben"

Am 1. August 2007 hielt die Verwaltung des Distrikts Lithang der Provinz Sichuan eine offizielle Feier zum 80. Gründungstag der Volksbefreiungsarmee (PLA) ab. Zahlreiche Menschen der Gegend kamen, um dieser offiziellen Feier und dem berühmten jährlichen Pferderennen beizuwohnen.

Unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung etwa um 11 Uhr, als der Hauptgast, die Offiziellen und das Publikum bereits an ihren Plätzen waren, begab sich Rongye Adak, ein 52jähriger Nomade aus der Nomadensiedlung Yonru, Distrikt Lithang, TAP Kardze, auf die Bühne, um dem Oberlama des Klosters Lithang einen traditionellen Khatag (Begrüßungsschal) umzuhängen.

Dann ergriff er das Mikrophon und erklärte vor versammelter Menge, den Menschen von Lithang stünde Glaubensfreiheit zu und bat sie, ihre Streitigkeiten einstellen. Und dann sagte er: "Der Dalai Lama soll nach Tibet zurückkehren. …Wenn wir nicht einmal den Dalai Lama in seine Heimat einladen können, dann werden wir in Tibet nie Religionsfreiheit haben". Er fragte die Menge, ob sie wünsche, dass der Dalai Lama nach Tibet zurückkehren solle, worauf sie lautstark mit "Ja" antwortete.

Dann rief Adak ins Mikrophon: "Der Panchen Lama soll freigelassen werden!" (Anm.: 1995 wurde der damals sechsjährige Gedhun Choekyi Nyima, der XI. Panchen Lama von Tibet, von der chinesischen Regierung entführt und seitdem an einem unbekannten Ort versteckt gehalten.)

Auch forderte Adak die Freilassung des tibetischen Mönchs, Tenzin Delek Rinpoche, der aufgrund eines gefälschten Verfahrens für Sprengstoffanschläge in Sichuan verantwortlich gemacht und zur lebenslangen Haft verurteilt wurde.

Nachdem Rongye Adak von der Bühne heruntergekommen war, ging er auf Naglu Tenzin zu, einen Mönch, der den Chinesen bei der "patriotischen Umerziehung" aktiv beisteht, und stellte ihn vor dem Hauptgast und dem versammelten Publikum wegen seiner Doppelmoral bei der Handhabung der religiösen Angelegenheiten des Klosters zur Rede.

Kurz darauf wurde er von der örtlichen Polizei von Kardze festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Hunderte von Einwohnern aus seinem Dorf Yonrou, die um seine Sicherheit fürchteten, demonstrierten daraufhin vor dem Gebäude der Lokalregierung. Sie verlangten seine Freilassung und die Achtung des Rechtes des tibetischen Volkes auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung. Als die Spannungen eskalierten, feuerte die Polizei in die Luft, um die Menge zu zerstreuen. Mindestens 20 Dorfbewohner wurden verhaftet. Im Anschluß daran wurde ein starkes Militär- und Polizeiaufgebot nach Lithang entsandt.

Rongye Adak ist Vater von elf Kindern und führt das Leben eines einfachen Nomaden. Berichten zufolge geht es seiner Familie momentan sehr schlecht. Seine Frau erkrankte nach seiner Festnahme schwer und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Drei seiner Kinder machen gegenwärtig eine Ausbildung in verschiedenen Schulen und Klöstern in Indien.

Die IGFM ist in großer Sorge um Rongye Adak, denn in China haben derartige Protestaktionen langjährige Haftstrafen und Folter zur Folge.

Aus diesem Grunde hat die IGFM-Arbeitsgruppe München eine Postkartenaktion gestartet, die auf ihrer Homepage (www.igfm-muenchen.de) ausführliche Informationen zu Tibet bietet.

Bitte schreiben Sie auch Protestbriefe an unten genannte Personen und fordern sie die sofortige Freilassung von Rongye Adak und allen anderen, die in Lithang verhaftet wurden. Sie haben ihre Grundrechte auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung ausgeübt und kein Verbrechen begangen.

 

Schreiben Sie an:

Seine Exzellenz Herrn Ma Canrong
Kanzlei der Botschaft der Volksrepublik China,
Märkisches Ufer 54, 10179 Berlin
Fax: 030-2758 8221

Governor of Sichuan Province
Jiang Jufen, Governor of Sichuan Province
c/o Protocol and Press Division of Foreign Affairs Office of Sichuan Province
100 Dongsanduan, Yihuanlu
Chengdu 610021
People’s Republic of China
Phone/Fax: +86 28 8435 6789

Ms Louise Arbour
UN High Commissioner for Human Rights
Office of the High Commissioner for Human Rights
8-14 Avenue de la Paix
CH-1211 Geneva-10, Swizerland

Seine Exzellenz Sha Zukang
Permanenter Repräsentant der VR China bei den Vereinten Nationen
Palais des Nations
CH-1211 Genf 10, Schweiz

Herr Kapil Sibal
Arbeitsgruppe für willkürliche Festnahmen
c/o Office of the High Commissioner for Human Rights
United Nations Office
CH-1211 Geneva-10, Schweiz