{mosimage}{mosimage}{mosimage}{mosimage}Der aufsehenerregende Untersuchungsbericht, den David Kilgour und David Matas am 6. Juli 2006 vorlegten, geht den zahlreichen Hinweisen auf die systematischen Organentnahmen an lebenden Gefangenen in China nach und kommt zu erschreckenden Schlussfolgerungen. Dies ist der revidierte und erweiterte Bericht über die Anschuldigungen des Organraubs an Falun Gong-Praktizierenden in China vom 31. Januar 2007. Zum Herunterladen des gesamten Berichts klicken sie bitte hier: Download (pdf)

Inhaltsverzeichnis
A. Einführung
Die Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China (CIPFG) bat uns, Anschuldigungen der Organentnahmen an Falun Gong-Praktizierenden in China zu untersuchen. Die Koalition ist eine in Washington D.C. registrierte Nicht-Regierungs-Organisation mit einer Zweigstelle in Ottawa, Kanada. Das Ersuchen kam in aller Form per Brief vom 24. Mai 2006 und ist diesem Bericht als Anlage beigefügt.
Die Bitte war, die Anschuldigungen zu untersuchen, dass staatliche Institutionen und Angestellte der Regierung der Volksrepublik China Falun Gong-Praktizierenden Organe bei lebendigem Leibe entnommen und sie dabei getötet haben. In Anbetracht der Ernsthaftigkeit der Anschuldigungen sowie unserem Respekt vor den Menschenrechten haben wir die Bitte angenommen.
DAVID MATAS ist Anwalt für Einwanderungs- und Flüchtlingsrecht und für internationale Menschenrechte mit privater Kanzlei in Winnipeg. Als Autor, Sprecher und Mitwirkender bei diversen Nicht-Regierungs-Organisationen engagiert er sich tatkräftig bei der Förderung der Anerkennung der Menschenrechte.
DAVID KILGOUR ist ehemaliger Parlamentsabgeordneter und ehemaliger kanadischer Staatssekretär für den Asien- und Pazifikraum. Vor seiner Amtszeit als Parlamentarier war er als Staatsanwalt auf Bundesebene tätig. Die Biographien der beiden Autoren sind diesem Bericht als Anlagen beigefügt. [siehe engl. Original] .
B. Die Anschuldigung
Es heißt, dass Falun Gong-Praktizierende in ganz China Opfer von Organentnahmen sind, die an ihnen bei lebendigem Leibe durchgeführt werden. Die Anschuldigung lautet, dass die Organentnahmen ohne Einwilligung der Falun Gong-Praktizierenden an vielen verschiedenen Orten, im Zuge einer systematischen Politik, in großer Anzahl stattfinden.
Organentnahme ist ein Schritt bei der Organtransplantation. Ziel von Organentnahmen ist es, Organe zu Transplantationszwecken bereitzustellen. Die Transplantation muss nicht notwendigerweise am Ort der Organentnahme stattfinden. Oft sind es zwei unterschiedliche Örtlichkeiten; Organe, an einem Ort entnommen, werden für die Transplantation an einen anderen Ort gebracht.
Die Anschuldigung lautet weiterhin, dass den Praktizierenden die Organe bei lebendigem Leibe entnommen werden. Die Praktizierenden werden im Verlauf der Operation oder unmittelbar danach getötet. Diese Operationen stellen eine Form von Mord dar.
Schließlich wurde uns mitgeteilt, dass die auf diese Weise getöteten Praktizierenden anschließend verbrannt werden. Somit gibt es keinen Leichnam mehr, den man untersuchen kann, um ihn als Quelle eines Organtransplantats zu identifizieren.
C. Arbeitsmethoden
Unsere Nachforschungen haben wir unabhängig von der CIPFG, dem Falun Dafa Verein oder irgendeiner anderen Organisation oder Regierung durchgeführt. Wir haben vergeblich versucht, nach China zu gehen, wären jedoch bereit, auch nachträglich dorthin zu gehen, um die Untersuchungen fortzusetzen. Bei Beginn unserer Arbeit hatten wir keine vorgefasste Ansicht über die Wahrheit oder Unwahrheit der Anschuldigungen. Die Anschuldigungen waren so erschütternd, dass man sie kaum glauben konnte. Wir hätten die Anschuldigungen eher für unwahr als für wahr gehalten. Sollten diese Anschuldigungen wahr sein, so stellen sie eine abscheuliche Form des Bösen dar, die trotz aller Verdorbenheit, die die Menschheit bisher gesehen hat, auf diesem Planeten neu ist. Das blanke Entsetzen ließ uns ungläubig zurückweichen. Aber dieses Unglaubliche bedeutet nicht, dass die Anschuldigungen unwahr sind. Wir sind uns der Äußerung von Felix Frankfurter, Richter des Obersten Gerichtshofs der USA, aus dem Jahr 1943 gegenüber einem polnischen Diplomaten als Reaktion auf das, was ihm von JAN KARSKI über den Holocaust berichtet worden war, sehr bewusst:
„Ich habe nicht gesagt, dass dieser junge Mann lügt. Ich sagte, dass ich nicht glauben konnte, was er mir erzählt hat. Das ist ein Unterschied.“
Nach dem Holocaust ist es unmöglich, irgendeine Form von Verderbtheit auszuschließen. Ob ein vermeintliches Verbrechen tatsächlich begangen wurde, kann nur auf Grund von Tatsachen beurteilt werden.
Nach der Veröffentlichung der ersten Version unseres Berichtes am 7. Juli 2006 in Ottawa waren wir viel unterwegs, um den Bericht und die darin enthaltenen Empfehlungen bekannt zu machen. Im Verlauf unserer Reisen und als Ergebnis der damit verbundenen Bekanntheit durch die erste Version haben wir beträchtliche, zusätzliche Informationen erhalten. Die zweite Version enthält diese neuen Informationen.
Nichts von dem, was wir später herausfanden, brachte unsere Überzeugung von unseren ursprünglichen Schlussfolgerungen ins Wanken. Aber Vieles, was wir später herausfanden, bestärkte sie. Die vorliegende Version liefert, davon sind wir überzeugt, sogar noch zwingendere Gründe für unsere Schlussfolgerungen als die erste Version.
D. Schwierigkeiten der Beweisfindung
Diese Anschuldigungen sind aufgrund ihrer Beschaffenheit schwer zu beweisen oder zu widerlegen. Die besten Beweise, um irgendeine Anschuldigung zu belegen, sind Augenzeugenberichte. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass es gerade für dieses hier angesprochene Verbrechen Augenzeugenberichte gibt.
Die Menschen, die dort anwesend sind, wo Falun Gong-Praktizierende ihrer Organe beraubt werden, sind entweder Täter oder Opfer. Es gibt keine Zuschauer. Weil die Opfer den Anschuldigungen zufolge getötet und verbrannt werden, findet man keinen Leichnam, es kann keine Autopsie durchgeführt werden. Außerdem gibt es unter den Opfern keine Überlebenden, die erzählen könnten, was ihnen widerfahren ist. Täter werden sich wohl kaum zu Dingen bekennen, die, wenn sie denn stattfanden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind. Obwohl wir keine vollständigen Geständnisse erhalten konnten, haben wir dennoch eine überraschende Anzahl an Eingeständnissen durch von Ermittlern durchgeführte Telefonanrufe erhalten.
Die Szene des Verbrechens, wenn es denn stattgefunden haben sollte, hinterlässt keine Spuren. Wenn der Organraub erfolgt ist, sieht der Operationssaal, in dem das stattgefunden hat, genauso aus wie jeder andere leere Operationssaal.
Das harte Durchgreifen in China gegen Berichterstattung über die Menschenrechte erschwert eine Beurteilung der Anschuldigungen. Bedauerlicherweise unterdrückt China sowohl Journalisten, die über Menschenrechte berichten, als auch Verteidiger von Menschenrechten. Es gibt keine Meinungsfreiheit. Diejenigen, die über Menschenrechtsverletzungen in China berichten, landen häufig im Gefängnis und werden manchmal wegen Verrats von Staatsgeheimnissen angeklagt. In diesem Zusammenhang erfahren wir durch das Schweigen von Nicht-Regierungs-Organisationen über Organentnahmen ohne Einwilligung von Falun Gong-Praktizierenden gar nichts.
Das Internationale Rote Kreuz darf in China keine Gefangenen besuchen. Auch keine andere Organisation, die sich um Menschenrechte kümmert. Dadurch ist der Zugang zu potentiellen Beweisen ebenfalls abgeschnitten.
In China gibt es kein Recht auf Informationsbeschaffung. Es ist unmöglich, von der chinesischen Regierung Basis-Informationen über Organtransplantationen zu erhalten – die Anzahl der Transplantationen, wo die Organe herkommen, was Transplantate kosten oder wohin dieses Geld fließt.
Für diesen Untersuchungsbericht wollten wir nach China reisen. Unsere Bemühungen gingen ins Leere. Wir baten schriftlich um ein Treffen mit der Botschaft, um die Einreisebedingungen zu besprechen. Unser Brief ist diesem Bericht als Anlage beigefügt [siehe engl. Original] . Unserer Bitte um einen Gesprächstermin wurde entsprochen. Aber die Person, die sich mit DAVID KILGOUR traf, war nur daran interessiert, die Anschuldigungen zurück zu weisen, und nicht daran, für uns einen Besuch zu arrangieren.
E. Methoden der Beweisbeschaffung
Wir mussten etliche Faktoren berücksichtigen, um zu entscheiden, ob sie alle zusammen ein Bild ergeben, das die Anschuldigungen entweder wahr oder unwahr erscheinen lässt. Keiner dieser Faktoren allein bestätigt oder widerlegt die Anschuldigungen. Aber zusammen ergeben sie ein Bild.
Viele der Beweisstücke, die wir berücksichtigt haben, stellen, separat betrachtet, keinen knallharten Beweis für die Anschuldigung dar. Aber ihr Nichtvorhandensein könnte gut deren Widerlegung darstellen. Die Kombination all dieser Faktoren, insbesondere, wenn es sich um eine so große Anzahl handelt, bewirkt die Glaubwürdigkeit der Anschuldigungen, selbst wenn jeder einzelne für sich betrachtet nicht diese Wirkung hätte. Wenn jedes mögliche Element, das wir zur Widerlegung finden konnten, die Anschuldigungen nicht widerlegen kann, wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Anschuldigungen wahr sind, immer größer.
Beweisführung kann entweder induktiv oder deduktiv sein. Die Verbrechensuntersuchung geschieht normalerweise deduktiv, indem sie einzelne Beweisstücke zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt. Die Einschränkungen, mit denen sich unsere Untersuchung konfrontiert sah, stellten auch erhebliche Einschränkungen bei dieser deduktiven Methode dar. Einige Komponenten, aus denen wir ableiten konnten, was wo stattfindet, standen trotzdem zur Verfügung, insbesondere die Telefonanrufe der Ermittler.
Wir benutzten auch die induktive Beweisführung und suchten sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Falls die Anschuldigungen nicht stimmen, wie könnten wir dann wirklich wissen, ob sie nicht stimmen? Wenn die Anschuldigungen stimmten, welche Tatsachen würden vorliegen, die diesen Anschuldigungen entsprechen? Womit würde die Wirklichkeit dieser Anschuldigungen erklärt? Sollten die Anschuldigungen tatsächlich stimmen? Antworten auf diese Art von Fragen halfen uns, unsere Rückschlüsse zu ziehen.
Wir zogen auch Prävention in Betracht. Welche Schutzmaßnahmen könnten diese Art von Handlungen verhindern? Wenn Vorkehrungen getroffen sind, könnten wir daraus schließen, dass es weniger wahrscheinlich ist, dass diese Taten stattfinden. Wenn sie nicht vorhanden sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Handlungen stattfinden.
F. Elemente von Beweis und Widerlegung
a) Allgemeine Überlegungen
1) Menschenrechtsverletzungen
China verletzt die Menschenrechte in vielfältiger Weise. Diese Menschenrechtsverletzungen sind dauerhaft und schwerwiegend. Außer Falun Gong sind Tibeter, Christen, Uiguren, Aktivisten für Demokratie und Verteidiger der Menschenrechte Hauptzielscheibe der Menschenrechtsverletzungen. In China gibt es keine rechtsstaatlichen Mechanismen, die Menschenrechtsverletzungen verhindern könnten, wie zum Beispiel eine unabhängige Rechtsprechung, Zugang zu Verteidigern während der Haft, Haftprüfung und das Recht auf eine öffentliche Verhandlung. Entsprechend seiner Verfassung wird China von der Kommunistischen Partei regiert. Es wird nicht per Gesetz regiert.
Das kommunistische China weist eine erschütternde Geschichte massiver Grausamkeiten gegenüber seinen eigenen Bürgern auf. Das kommunistische Regime hat mehr unschuldige Menschen ermordet als Nazideutschland und das stalinistische Russland zusammen.1 Kleine Mädchen werden ermordet, sehr viele werden allein gelassen und ihrem Schicksal anheim gegeben. Folter ist weit verbreitet. Die Todesstrafe ist weit verbreitet und willkürlich. China exekutiert mehr Menschen als alle anderen Länder zusammen. Der religiöse Glaube wird unterdrückt. 2
Dieses Schema von Menschenrechtsverletzungen ebenso wie viele andere Menschenrechtsverletzungen belegen in sich noch nicht die Anschuldigungen. Aber es tilgt ein Element der Widerlegung. Man kann nicht sagen, dass diese Anschuldigungen außerhalb des allgemeinen Musters der Respektlosigkeit gegenüber den Menschenrechten in China liegen. Obwohl diese Anschuldigungen an und für sich überraschend sind, sind sie doch für ein Land mit einer Menschenrechtslage, wie sie China aufweist, weniger überraschend als sie es betreffend viele andere Länder wären.
Wenn in China so viele Menschenrechtsverletzungen begangen werden, dann ist es unangemessen, nur ein einzelnes Opfer herauszugreifen. Wir wollen trotzdem als Beispiel oder zum Studium eines Falles darauf hinweisen, wie der Menschenrechtsanwalt GAO ZHISHENG zum Opfer wurde. Es war Gao, der uns im letzten Sommer schrieb und uns einlud, nach China zu kommen, um den Organraub an lebenden Falun Gong-Praktizierenden zu untersuchen, die aus Gewissensgründen inhaftiert sind. Daraufhin stellte uns die chinesische Botschaft in Ottawa keine Visa aus, um der Einladung nachkommen zu können; Gao selbst wurde wenig später verhaftet.
Gao schrieb drei Offene Briefe an Präsident HU und andere Führer, in denen er gegen eine Reihe von Misshandlungen an Falun Gong protestierte, einschließlich konkreter Fälle von Folter und Mord. Gao verurteilte in seinen Briefen auch den Raub und Verkauf der Organe von Falun Gong-Praktizierenden. Er drückte seine Bereitschaft aus, der „Koalition zur Untersuchung des Organraubs an lebenden Menschen“ beizutreten.3
Er wurde am 2. Dezember 2006 wegen Anstiftung zur Subversion zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Haftzeit wurde jedoch auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt; seine politischen Rechte wurden ihm vom Gericht in Peking für ein Jahr abgesprochen. Diese Repression gegenüber einer Person, deren einziges Anliegen die Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte und insbesondere die Beendigung der Verfolgung von Falun Gong-Praktizierenden ist, vergrößert seine und unsere Besorgnis noch mehr.
Das Internationale Olympische Komitee zeichnete Peking im Jahr 2001 mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele 2008 aus. Im April 2001 sagte der Vizepräsident des Vorbereitungskomitees für die Olympischen Spiele in Peking 2008, LIU JINGMIN: „Wenn Peking die Spiele ausrichten darf, helfen Sie der Entwicklung der Menschenrechte“.
Ja, das Ergebnis war aber gerade das Gegenteil. Amnesty International sagte in einer Mitteilung vom 21. September 2006:
„In seinem letzten Gutachten im Vorfeld der Olympischen Spiele hat Amnesty International die Bemühungen der chinesischen Regierung bezüglich der Menschenrechte in vier grundlegenden Bereichen als weiterhin unzureichend befunden. Es gab einige Fortschritte bei der Reform des Systems der Todesstrafe, aber in anderen wesentlichen Bereichen hat sich die Lage der Menschenrechte verschlechtert.“
Indem die internationale Gemeinschaft trotz der Verschlechterung der Menschenrechte in wesentlichen Bereichen weiterhin an den Olympischen Spielen in Peking festhält, vermittelt sie China eine Botschaft der Straffreiheit. China muss den Eindruck gewinnen, dass es gleichgültig ist, wie schwer es die Menschenrechte verletzt; die internationale Gemeinschaft scheint es nicht zu kümmern.
2) Finanzierung des Gesundheitssystems
Als China sich weg von der sozialistischen und hin zur Marktwirtschaft bewegte, war das Gesundheitssystem Teil dieser Veränderung. 1980 begann China, dem Gesundheitssektor staatliche Gelder zu entziehen, in der Erwartung, dass das Gesundheitssystem diese Gelder wieder durch Beitragszahlungen der Verbraucher an Gesundheitsdienste ausgleicht. Seit 1980 fielen die Aufwendungen der Regierung für die Gesundheitsvorsorge von 36% auf 17%, während die Ausgaben der Patienten von 20% auf 59% stiegen.4 Eine Studie der Weltbank ergab, dass die Kürzungen im öffentlichen Gesundheitssystem noch durch Kostensteigerungen im privaten Sektor verschärft wurden.5
Laut Aussage von HU WEIMIN, Arzt für Herz- und Kreislauferkrankungen, reichen die staatlichen Aufwendungen für das Krankenhaus, in dem er arbeitet, noch nicht einmal aus, um die Personalkosten für einen Monat zu decken. Er sagte: „Um unter dem gegenwärtigen System zu überleben, müssen die Krankenhäuser für Profit sorgen.“ Human Rights in China berichtet: „Krankenhäuser in ländlichen Gegenden mussten sich Möglichkeiten zur Geldgewinnung ausdenken, um genügend Einnahmen zu erzielen“.6
Man konnte beobachten, wie der dringende Finanzbedarf erstens zu der Einstellung führte, dass der Organraub an Gefangenen, die sowieso hingerichtet werden sollten, zulässig ist und zweitens zu dem Wunsch, nicht allzu genau nachzufragen, ob die Spender, die von den Behörden eingeliefert wurden, wirklich zum Tode verurteilte Gefangene waren.
3) Finanzierung der Armee
Ebenso wie das Gesundheitssystem ging auch das Militär von öffentlicher Finanzierung zu einem privaten Unternehmen über. Das Militär in China ist ein Mischkonzern. Dieser Konzern ist nicht Resultat von Korruption, also einer Abweichung von staatlicher Politik. Er ist staatlich sanktioniert, ein bewährtes Mittel, um Geld für militärische Aktivitäten zu beschaffen. 1985 gab der damalige Präsident Deng Xiaoping [s. Anm. S. 8] eine Direktive heraus, die es den Einheiten der Volksbefreiungsarmee erlaubte Geld zu verdienen, um die Ausfälle in ihren sinkenden Budgets auszugleichen.
In China sind viele Transplantationszentren und Krankenhäuser militärische Einrichtungen, die durch Empfänger von Organen finanziert werden. Militärkrankenhäuser arbeiten unabhängig vom Gesundheitsministerium. Die Einnahmen aus Organtransplantationen decken mehr als die Betriebskosten dieser Einrichtungen. Das Geld fließt in den gesamten Militärhaushalt ein.
Da ist zum Beispiel das Organtransplantationszentrum des Krankenhauses der Bewaffneten Polizei in Peking. Dieses Krankenhaus sagt stolz:
„Das Organtransplantationszentrum ist unsere wichtigste Abteilung für die Gewinnerzielung. Im Jahre 2003 betrugen seine Bruttoeinnahmen 16.070.000 Yuan. Von Januar bis Juni 2004 betrugen die Einnahmen 13.570.000 Yuan. In diesem Jahr (2004) besteht die Möglichkeit, die Grenze von 30.000.000 Yuan zu überschreiten.“ 7
Der Einflussbereich des Militärs bei Organentnahmen reicht bis in zivile Krankenhäuser hinein. Organempfänger berichteten uns oft, selbst wenn sie die Organe in zivilen Krankenhäusern erhalten hätten, wurden die Operationen von militärischem Personal durchgeführt.
Hier ein Beispiel: Als wir unseren Bericht in Asien vorstellten, lernten wir einen Mann kennen, der 2003 nach Shanghai flog, um dort eine Niere für den zuvor vereinbarten Preis von 20.000 USD zu erhalten. Er wurde im Ersten Volkskrankenhaus, einer zivilen Einrichtung, aufgenommen und in den darauf folgenden zwei Wochen wurden vier Nieren beschafft und auf seine Blutwerte und andere Faktoren getestet. Aufgrund seiner Antikörper war keine davon passend, alle wurden wieder zurückgegeben.
Er ging anschließend in sein Heimatland zurück und kam zwei Monate später wieder in das Krankenhaus. Weitere vier Nieren wurden auf ähnliche Weise getestet; als sich die achte Niere als passend herausstellte, wurde die Operation erfolgreich durchgeführt. Die acht Tage seiner Rekonvaleszenz verbrachte er im Krankenhaus Nr. 85 der Volksbefreiungsarmee. Sein Chirurg war Dr. TAN JIANMING aus der Militärregion Nanjing, der seine Militäruniform zeitweise auch in dem zivilen Krankenhaus trug.
Dr. TAN hatte Dokumente bei sich, auf denen potentielle „Spender“ mit unterschiedlichen Gewebs- und Bluteigenschaften aufgelistet waren, aus denen er Namen auswählte. Der Arzt wurde mehrfach dabei beobachtet, wie er das Krankenhaus in Uniform verließ und 2-3 Stunden später mit Behältern zurückkam, in denen sich Nieren befanden. Dr. TAN sagte dem Empfänger, dass die achte Niere von einem hingerichteten Gefangenen stammte.
Das Militär hat Zugang zu Gefängnissen und Gefangenen. Ihre Operationen laufen sogar noch geheimer ab als die der zivilen Behörden. Sie werden nicht von den gesetzlichen Bestimmungen berührt.
4) Korruption
Korruption ist in ganz China ein großes Problem. Staatliche Einrichtungen werden zuweilen eher zum Vorteil ihrer Beschäftigten als zum Wohl des Volkes betrieben. Gelegentlich greift China mit „harter Hand“ gegen die Korruption durch.
Aber in Abwesenheit von Rechtsprechung und Demokratie, wo Geheimhaltung vorherrscht und eine Offenlegung öffentlicher Gelder fehlt, scheinen diese Anti-Korruptions-Kampagnen mehr Machtkämpfen zu dienen, als wirklich Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption zu sein. Das sind Versuche, öffentliche Besorgnis über Korruption zu zeigen, ein Betreiben von politisierter Reklame.
Der Organverkauf ist ein Geld-motiviertes Problem. Aber das ist etwas anderes als zu sagen, es ist ein Korruptionsproblem. Der Verkauf von Organen unfreiwilliger Spender ist eine Kombination von Hass und Gier. Eine staatliche Politik der Verfolgung wird auf eine finanziell profitable Weise umgesetzt.
Der ehemalige chinesische Präsident DENG XIAOPING [Anm. d. Red.: Deng Xiaoping war de facto von 1976 bis zu seinem Tod 1997 der politische Führer der VR China, ohne jemals das Amt des Präsidenten inne gehabt zu haben] sagte: „Reich zu werden ist ruhmvoll“. Er sagte nicht, dass manche Wege zum Reichtum schändlich sind.
Die davon profitierenden Krankenhäuser nutzen in ihren Regionen die wehrlosen Gefängnisinsassen aus. Die Menschen in den Gefängnissen sind rechtlos und stehen den Behörden zur freien Verfügung. Die Anstiftung zum Hass gegenüber Gefangenen und ihre Entmenschlichung bedeuten, dass sie abgeschlachtet und getötet werden können, ohne Übelkeit bei denjenigen zu erregen, die dieser offiziellen Hasspropaganda folgen.
b) Genauere Betrachtungen zum Organraub
5) Technologische Entwicklung
ALBERT EINSTEIN schrieb:
„Die Freisetzung der Atomkraft hat alles verändert, außer unsere Art des Denkens… die Lösung dieses Problems liegt im Herzen der Menschheit. Wenn ich das nur geahnt hätte, wäre ich Uhrmacher geworden.“
Technologische Entwicklungen ändern nicht die menschliche Natur. Sie ändern aber die Fähigkeit, Schaden zuzufügen.
Die Entwicklung auf dem Gebiet der Organtransplantationen hat viel dazu beigetragen, die Fähigkeit der Menschheit zu verbessern, mit dem Mangel an Organen zurecht zu kommen. Aber diese Entwicklungen bei der Organ-Chirurgie haben unsere Art des Denkens nicht verändert.
Es besteht eine Tendenz anzunehmen, dass jede neue medizinische Entwicklung für die Menschheit nützlich ist. Das ist sicherlich die Absicht ihrer Entwickler. Aber medizinische Forschung, ganz gleich wie fortgeschritten sie auch sein mag, sieht sich mit den alten Eigenschaften von gut und böse konfrontiert.
Weiter fortgeschrittene Techniken auf dem Gebiet der Organ-Chirurgie bedeuten nicht, dass das politische System in China fortschrittlicher ist. Das chinesische kommunistische System bleibt bestehen. In China fallen die Entwicklungen in der Organ-Chirurgie der Gewalt, Korruption und Unterdrückung zum Opfer, die ganz China durchziehen. Fortschritte auf dem Gebiet der Organtransplantationen bieten den alten Kadern neue Methoden, um ihre Bestechlichkeit und Ideologie umzusetzen.
Wir schlagen nicht vor, dass diejenigen, die die Transplantations-Chirurgie entwickelt haben, Uhrmacher hätten werden sollen. Wir schlagen vor, wir sollten nicht so naiv sein zu denken, dass die Transplantations-Chirurgie, weil sie entwickelt wurde, um Gutes zu tun, keinen Schaden anrichten kann.
Im Gegenteil, die Vorwürfe gegen die Entwicklung der Transplantationschirurgie in China, dass sie nämlich dazu benutzt wird, um Falun Gong-Praktizierenden gegen deren Willen die Organe zu entnehmen, wäre eben in einer neuen Lektion die Umsetzung dessen, was Albert Einstein uns gelehrt hat. Wir haben gerade gesehen, dass moderne Technologien, zum Wohle der Menschheit entwickelt, in ihr Gegenteil verkehrt wurden, um Schaden anzurichten. Wir sollten nicht überrascht sein, wenn dies auch mit der Transplantations-Chirurgie der Fall ist.
6) Die Behandlung von zum Tode verurteilten Gefangenen
Mitte November 2006 gab der stellvertretende Gesundheitsminister HUANG JIEFU in seiner Rede auf dem Chirurgenkongress in der im Süden gelegenen Stadt Guangzhou zu, dass exekutierte zum Tode Verurteilte eine Quelle für Organtransplantate darstellen. Er sagte: „Abgesehen von einer geringen Anzahl von Unfalltoten stammen die meisten Organe von den Leichnamen exekutierter Gefangener.“ Asia News schrieb:
„’Geschäfte unter der Hand müssen verboten werden’, sagte Herr Huang, wohl wissend, dass Organe, die zu hohen Preisen an Ausländer verkauft werden, allzu häufig von Personen stammen, die nicht ihre Einwilligung dazu gegeben haben.“
In China gibt es die Todesstrafe für viele Delikte, auch für rein politische und wirtschaftliche Straftaten, bei denen keinerlei Anzeichen dafür vorliegen, dass der Angeklagte eine Gewalttat begangen hat. Zuerst zu behaupten, dass sie überhaupt niemanden hinrichten und nun sogar Falun Gong-Praktizierende zu töten, um ihnen ohne ihre Einwilligung die Organe zu entnehmen, das ist ein großer Schritt. Es ist jedoch ein weitaus kleinerer Schritt von unfreiwilligen Organentnahmen an zum Tode verurteilten politischen Gefangenen und Wirtschaftsverbrechern bis zum Töten von Falun Gong-Praktizierenden und Organentnahme ohne deren Einwilligung.
Es wäre schwer zu verstehen, wenn ein Staat, in dem niemand hingerichtet wird, in dem es keine Todesstrafe gibt, in dem niemandem ohne Zustimmung Organe entnommen werden, Organe von Falun Gong-Praktizierenden ohne deren Einwilligung entnimmt. Die Annahme fällt wesentlich leichter, dass ein Staat, der wegen wirtschaftlicher oder politischer Straftaten zum Tode verurteilte Gefangene exekutiert und sie ohne ihr Einverständnis ihrer Organe beraubt, Falun Gong-Praktizierende zur Organentnahme ohne deren Einverständnis tötet.
Falun Gong bildet eine Gruppe von Gefangenen, die von den chinesischen Behörden sogar noch heftiger verunglimpft, entwürdigt und ausgegrenzt wird als Gefangene, die wegen krimineller Verbrechen zum Tode verurteilt und exekutiert wurden. Wenn man die offizielle Sprachregelung betrachtet, die sich gegen diese beiden Gefangenengruppen richtet, scheint es, dass Falun Gong noch vor den zum Tode verurteilten Gefangenen Zielscheibe für den Organraub ist.
7) Organspenden
China hat kein organisiertes Organspendesystem8/9. Darin unterscheidet es sich von allen anderen Ländern, die sich mit Organtransplantations-Chirurgie befassen. Spenden von lebenden Spendern für Familienangehörige sind erlaubt.
Wir haben erfahren, dass die Chinesen eine kulturell bedingte Abneigung gegen Organspenden haben. Doch Hongkong und Taiwan mit einer im Wesentlichen gleichen Kultur haben aktive Organspenderprogramme.
Das Nichtvorhandensein eines Organspendersystems in China sagt uns zwei Dinge. Das eine ist, dass Organspenden keine glaubhafte Quelle für die Organtransplantate in China sein können.
Wegen der kulturell bedingten Abneigung gegen Organspenden in China würde sogar ein aktives Organspendesystem Schwierigkeiten haben, die gegenwärtige Menge von Transplantaten in China zu beschaffen. Doch das Problem wird größer, wenn es nicht einmal aktive Bestrebungen gibt, die Spendenbereitschaft zu fördern.
In anderen Ländern sind Spenden wichtig, weil sie die primäre Quelle von Organen für Transplantationen darstellen. Wir können aus dem Nichtvorhandensein ernsthafter Bemühungen um Spender in China folgern, dass Spenden in China kein wichtiger Faktor sind. China hat auch ohne Spenden eine derartige Fülle an für Transplantationen verfügbaren Organen, dass der Aufruf zu Organspenden überflüssig ist.
Dieses Nichtvorhandensein von ernsthaften Bemühungen um Organspenden in Kombination mit kurzen Wartezeiten für Transplantationen in China und der großen Anzahl von Transplantationen sagt uns, dass China überflutet ist mit Lebendorganen für Transplantationen; es sind Menschen, die den Behörden zur Verfügung stehen, um wegen ihrer Organe für Transplantationen getötet zu werden. Diese Tatsache trägt nichts dazu bei, um die Anschuldigung des Organraubs an Falun Gong-Praktizierenden gegen ihren Willen zu zerstreuen.
8) Wartezeiten
Die Webseiten von Krankenhäusern in China werben mit kurzen Wartezeiten für Organtransplantationen. Transplantationen von Spendern, die schon länger tot sind, können aufgrund des Verfalls der Organe nach dem Tod nicht verwendet werden. Wenn wir die Werbung der Hospitäler für bare Münze nehmen, sagen sie uns, dass es eine große Anzahl von Menschen gibt, die jetzt noch leben und die auf Nachfrage als Quellen für Organe zur Verfügung stehen.
Die Wartezeiten für Empfänger von Organtransplantaten scheinen in China wesentlich kürzer zu sein als sonst überall. Auf der Webseite des Internationalen Chinesischen Transplantations-Betreuungszentrums heißt es: „Es dauert vielleicht eine Woche, bis wir einen passenden (Nieren-) Spender finden, die höchste Wartezeit beträgt einen Monat …“10 Weiter heißt es: „Wenn sich etwas Unvorhergesehenes mit dem Organ eines Spenders ereignet, hat der Patient die Möglichkeit, dass ihm ein anderer Organspender angeboten wird und die Operation kann dann innerhalb einer Woche erneut stattfinden.“11 Auf der Webseite des Transplantationszentrums des Ostens hieß es Anfang April 2006, „die durchschnittliche Wartezeit (für eine passende Leber) beträgt zwei Wochen.“12 Auf der Webseite des Changzheng Hospitals in Shanghai wurde behauptet: „Die durchschnittliche Wartezeit für die Bereitstellung einer Leber beträgt für alle Patienten eine Woche.“13
Im Gegensatz dazu betrug 2003 in Kanada die durchschnittliche Wartezeit für eine Niere 32,5 Monate und in British Columbia [Provinz in Kanada] war sie sogar noch länger, nämlich 52,5 Monate.14 Die Überlebensdauer einer Niere liegt zwischen 24-48 Stunden und die einer Leber bei etwa zwölf Stunden.15 Das Vorhandensein einer riesigen Organbank von lebenden Nieren-/Leber-“Spendern“ ist die einzige Möglichkeit, wie die chinesischen Transplantationszentren so kurze Wartezeiten sicherstellen können. Die erstaunlich kurzen Wartezeiten, mit denen für perfekt passende Organe geworben wird, lässt die Existenz einer großen Bank lebender potentieller Spender vermuten.
9) Belastende Informationen auf Webseiten
Manche Informationen, die auf den Webseiten diverser Transplantationszentren in China vor dem 9. März 2006 zur Verfügung standen (zu der Zeit, als Anschuldigungen über den großangelegten Organraub in kanadischen und internationalen Medien auftauchten) sind ebenfalls belastend. Verständlicherweise wurde seitdem ein großer Teil dieser Informationen entfernt. Deshalb beziehen sich diese Kommentare nur auf die Webseiten, die immer noch archiviert aufzufinden sind; die Quellenverzeichnisse sind entweder in den Erläuterungen oder als Fußnote aufgeführt. Eine überraschende Menge belastender Informationen war in der letzten Juniwoche 2006 immer noch für Webbrowser zugänglich. Wir führen hier nur vier Beispiele auf:
(1) Website des China International Transplantation Network Assistance Center
(Tianjin Stadt)
Auf einer Seite, die laut unseren Informationen Mitte April entfernt wurde, jedoch noch immer im Archiv20 eingesehen werden kann, findet sich die Behauptung: „Von Januar 2005 bis jetzt haben wir 647 Lebertransplantationen durchgeführt, zwölf davon in dieser Woche. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt zwei Wochen.“ Eine Grafik, die auch zur gleichen Zeit entfernt wurde, (im Archiv jedoch noch verfügbar, siehe Fußnote 12) zeigt, dass seit der Anfangsphase im Jahr 1998 (als lediglich neun Lebertransplantationen durchgeführt werden konnten) bis 2005 insgesamt 2.248 Transplantationen21 durchgeführt wurden.
Dagegen betrug die Gesamtanzahl aller durchgeführten Transplantationen in Kanada laut dem kanadischen Organ-Ersatzregister im Jahr 2004 lediglich 1.773.
(3) Website des Zentrums für Lebertransplantationen der Jiaotang Universitätsklinik
(Shanghai - Das ist Nr. 5 in der Liste der angerufenen Zentren)
In einer Bekanntmachung vom 26. April 200622 heißt es in einem Abschnitt: „Die Anzahl der Lebertransplantationen (hier) belief sich im Jahr 2001 auf sieben, im Jahr 2002 auf 53, 2003 auf 105, 2004 auf 144, 2005 auf 147 und im Januar 2006 auf 17 Fälle.“
(4) Website des Organtransplantationszentrums des Changzheng Krankenhauses, angeschlossen an die Medizinische Militär-Universität Nr. 2
(Shanghai)
Eine Seite wurde nach dem 9. März 2006 entfernt (die Internet Archivseite steht zur Verfügung23). Sie enthält die folgende Grafik, die die Zahl der jährlichen Lebertransplantationen in diesem Zentrum darstellt:
In dem Anmeldeformular für eine Lebertransplantation24 heißt es ganz oben: „...Zur Zeit kostet ein Lebertransplantat einschließlich der Kosten für die Operation und der Kosten für den Krankenhausaufenthalt insgesamt ungefähr 200.000 Yuan (66.667 kanadische Dollar / ca. 20.000 Euro) und die durchschnittliche Wartezeit für eine Leber beträgt für alle Patienten in unserem Krankenhaus eine Woche ...“
10) Interviews mit Organempfängern
Für die erste Fassung unseres Berichts hatten wir keine Zeit für Interviews mit Organempfängern, mit Menschen, die zu Transplantationen aus dem Ausland nach China kamen. Für die vorliegende Version führten wir mit etlichen Empfängern und deren Familienangehörigen umfangreiche Interviews. Zusammenfassungen ihrer Erfahrungen sind diesem Bericht als Anlage beigefügt.
Organtransplantationen, wie von Empfängern und ihren Angehörigen beschrieben, werden unter fast vollständiger Geheimhaltung durchgeführt, so als ob es um ein Verbrechen ginge, das geheim gehalten werden muss. Über die Empfänger und deren Familienangehörige werden so viele Informationen wie möglich zurückgehalten. Ihnen wird die Identität der Spender nicht genannt. Ihnen werden niemals schriftliche Einverständniserklärungen der Spender oder ihrer Angehörigen vorgelegt. Auch die Identität des Chirurgen und des beteiligten Personals wird oft trotz Nachfrage nicht preisgegeben. Den Organempfängern und ihren Angehörigen wird der Operationstermin normalerweise erst kurz vorher bekannt gegeben. Die Operationen werden manchmal mitten in der Nacht durchgeführt. Alles wird auf einer Basis von: „Frag’ lieber nicht, sag’ lieber nichts“ durchgeführt.
Wenn Menschen so tun, als ob sie etwas zu verbergen hätten, lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass sie etwas zu verbergen haben. Da zum Tode verurteilte Gefangene als Organquelle weithin bekannt und sogar vom chinesischen Regime anerkannt sind, kann dies nicht der Grund dafür sein, dass die chinesischen Transplantationskrankenhäuser etwas verbergen wollen. Es muss etwas anderes sein. Was ist es?
11) Es soll Geld gemacht werden
In China ist die Transplantation von Organen ein gewinnbringendes Geschäft. Den Weg von Geldern, die Menschen für Organtransplantate an bestimmte Krankenhäuser, die Organtransplantationen durchführen, zahlen, können wir zurück verfolgen, aber mehr können wir nicht tun. Wir wissen nicht, wer das Geld erhält, das bei den Krankenhäusern eingeht. Werden den Ärzten und Krankenschwestern, die an kriminellen Organentnahmen beteiligt sind, für ihre Verbrechen maßlos hohe Summen gezahlt? Das war eine Frage, die wir unmöglich beantworten konnten, da uns kein Weg offen stand, in Erfahrung zu bringen, wohin das Geld geflossen ist.
Website des China International Transplantation Network Assistance Center
(http://en.zoukiishoku.com/)
(Stadt Shenyang)
Bevor die Webseite im April 2006, wie angegeben, gelöscht wurde25, war die Höhe der Preise für Transplantationen in der folgenden Preisliste angegeben:
Niere
62.000 US-$
Leber
98.000 - 130.000 US-$
Leber-Niere
160.000 - 180.000 US-$
Niere-Bauchspeicheldrüse
150.000 US-$
Lunge
150.000 - 170.000 US-$
Herz
130.000 - 160.000 US-$
Augenhornhaut
30.000 US-$
Um Verbrechen zu untersuchen, bei denen Gelder den Besitzer wechseln, ist es ein üblicher Weg, die Spur des Geldes zu verfolgen. Doch im Fall China bedeuten die verschlossenen Türen, dass dieses Vorgehen nicht möglich ist. Wenn man nicht weiß, wohin das Geld geht, beweist das gar nichts. Aber es widerlegt auch nichts, auch nicht die Anschuldigungen.
12) Chinesische Transplantationsethik
Außer den Gesetzen, die ihre Arbeit regeln, unterliegen die chinesischen Transplantationsexperten keinerlei strengen ethischen Einschränkungen. Viele andere Länder besitzen selbstverwaltete Transplantationsberufsstände mit eigenen Disziplinarsystemen. Transplantationsexperten, die die ethischen Richtlinien verletzen, können von ihren Kollegen aus dem Beruf ausgeschlossen werden, ohne dass der Staat eingreift.
Betreffend Transplantationsprofis in China fanden wir nichts dergleichen. Bei Transplantationen ist alles möglich, so lange der Staat nicht eingreift. Es gibt kein Kontrollgremium, das vom Staat unabhängig disziplinarische Kontrolle über die Transplantationsexperten ausübt.
Durch diese Wildwest-Methode bei den Transplantationen in China kommt es leichter zu einem Missbrauch solcher Praktiken. Staatliche Mitwirkung und Strafverfolgung sind zwangsläufig weniger gründlich als berufliche Disziplinarmaßnahmen. Weil die Strafen für kriminelle Delikte höher sind als die Strafen bei beruflichen Disziplinarmaßnahmen - möglicherweise eine Gefängnisstrafe anstatt eines einfachen Ausschlusses aus dem Beruf - ist Strafverfolgung seltener als disziplinarische Fälle.
Das Fehlen eines funktionierenden beruflichen Disziplinarsystems bedeutet nicht, dass es Missbrauch gibt. Es macht aber das Auftreten von Missbrauch wahrscheinlicher.
13) Transplantationsethik im Ausland
Es gibt riesige Unterschiede in der ausländischen Transplantationsethik. In vielen Ländern, aus denen der Transplantationstourismus nach China kommt, haben die Transplantationsexperten ethische und disziplinarische Systeme eingerichtet. Es ist jedoch selten, dass diese sich speziell mit Transplantationstourismus, Kontakten mit chinesischen Transplantationsexperten oder Transplantaten von exekutierten Gefangenen befassen. Hier gilt wohl das Sprichwort: „Aus den Augen, aus dem Sinn“.
Zu Organtourismus gibt es im beruflichen Verhaltenscodex des Ärzterates von Hongkong insbesondere zwei Prinzipien, auf die speziell hingewiesen werden sollte. Das eine ist, „wenn Zweifel bestehen“, ob die Zustimmung eines Spenders aus freien Stücken oder freiwillig erfolgte, sollte der Ärztestand mit Spenden nichts zu tun haben. Und in Anbetracht dessen, dass „fast alle“ Transplantate von Häftlingen stammen, kann man letztlich betreffend China sagen, dass in fast allen Fällen Zweifel darüber bestehen, ob die Zustimmung des Spenders aus freien Stücken beziehungsweise freiwillig erfolgte.
Das zweite Prinzip besagt, dass die Verpflichtung bei dem ausländischen Arzt liegt, den Status des chinesischen Spenders sicher zu stellen. Der Experte im Ausland handelt nicht ethisch, so lange er oder sie keine oder nur oberflächliche Erkundigungen einzieht. Für den ausländischen Arzt muss nach den Erkundigungen zweifelsfrei feststehen, dass die Zustimmung des Spenders aus freien Stücken beziehungsweise freiwillig gegeben wurde, bevor er einen Patienten nach China empfiehlt.
Wenn der Organraubmarkt in China florieren soll, dann müssen Angebot und Nachfrage stimmen. Das Angebot kommt aus China, von Gefangenen. Doch die Nachfrage kommt zum großen Teil, mit dicken Geldscheinen, aus dem Ausland.
In einem Anhang geben wir eine kritische Analyse über die Ethik bei Kontakten mit China betreffend Transplantationen. Die Prinzipien Hongkongs sind eher die Ausnahme als die Regel. Berufsethiken weltweit bewirken wenig oder gar nichts, um die ausländische Nachfrage nach Organen aus China einzudämmen.
14) Chinesische Transplantationsgesetze
Bis zum 1. Juli 2006 war der Verkauf von Organen in China legal. An diesem Tag trat eine Verordnung in Kraft, die den Verkauf verbietet.
In China existiert ein gewaltiger Unterschied zwischen der Einführung eines Gesetzes und dessen Umsetzung. Zum Beispiel verspricht die Präambel des chinesischen Grundgesetzes China ein „hohes Niveau“ an Demokratie. Aber, wie das Tiananmen Massaker gezeigt hat, ist China nicht demokratisch. Tatsächlich wird derzeit das Gesetz zur Organtransplantation nicht umgesetzt. Der belgische Abgeordnete PATRIK VANRUNKELSVEN rief Ende November 2006 zwei Krankenhäuser in Peking an und gab vor, ein Aspirant für ein Nierentransplantat zu sein. Beide Krankenhäuser boten ihm sofort eine Niere für 50.000 Euro an.
Wie vorher bereits erwähnt, verurteilte der stellvertretende Gesundheitsminister Huang Jiefu im November 2006 den Verkauf der Organe von hingerichteten Strafgefangenen, indem er sagte: „Geschäfte unter der Hand müssen verboten werden“. Das war jedoch bereits seit dem 1. Juli verboten. Seine Rede muss als offizielle Bestätigung dafür gewertet werden, dass das Verbot keine Auswirkungen hat.
15) Ausländische Transplantationsgesetze
Die Art der Transplantation, auf die sich das chinesische medizinische System einlässt, ist überall sonst auf der Welt ungesetzlich. Aber für Ausländer jedes beliebigen Landes ist es nicht illegal, nach China zu gehen und von einer Transplantation, die in seinem eigenen Land illegal wäre, zu profitieren und dann nach Hause zurück zu kehren. Ausländische Transplantationsgesetze sind überall territorial. Sie gehen nicht über das eigene Land hinaus.
Viele andere Gesetze greifen jedoch weltweit. So kann zum Beispiel Sextourismus mit Kindern nicht nur in dem Land bestraft werden, in dem sie mit Kindern Sex machen, sondern in vielen Ländern auch, wenn sie nach Hause zurück gekehrt sind. Diese Art Gesetzgebung existiert nicht für Transplantationstouristen, die für Organtransplantationen bezahlen, ohne sich darum zu kümmern, ob der Organspender zugestimmt hat.
In Bezug auf die Gesetzgebung gab es einige Initiativen. Zum Beispiel schlägt der belgische Abgeordnete PATRIK VANKRUNKELSVEN ein extraterritoriales Strafgesetz vor, das Transplantationstouristen bestraft, die im Ausland Organe erwerben, deren Spender Gefangene oder vermisste Personen sind. Aber diese Gesetzesvorschläge befinden sich noch in einem frühen Stadium.
16) Reiseempfehlungen
Viele Staaten veröffentlichen Reiseempfehlungen, warnen ihre Bürger vor Gefahren bei der Reise von einem Land in ein anderes. Die Warnungen beziehen sich oft auf politische Gewalt oder sogar auf Fragen des Wetters. Aber keine Regierung hat Empfehlungen über Organtransplantationen in China veröffentlicht und ihre Bürger davor gewarnt, dass - mit den Worten der „Transplantationsgemeinschaft“ gesprochen - „fast alle“ Organe in China von Gefangenen stammen.
Wir hoffen zusammen mit einigen anderen, viele potentielle Empfänger von Organtransplantaten würden zögern, wegen einer Organverpflanzung nach China zu gehen, wenn sie wüssten, dass ihre Organe von Gefangenen stammen, die dem nicht zugestimmt haben. Aber zurzeit gibt es keine direkte Kommunikation mit potentiellen Empfängern von Organen aus China, weder auf dem Weg über eine Regierung, noch durch die Mediziner.
Zum Beispiel gibt die kanadische Reiseempfehlung für China auf der Webseite des Außenministeriums ausführliche Informationen heraus, beinahe 2.600 Worte, und sie beinhaltet einen Abschnitt über Gesundheit. Aber Organtransplantationen sind nicht erwähnt.
17) Arzneimittel
Die Organtransplantations-Chirurgie ist auf Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßungs-Reaktionen angewiesen. China importiert diese Medikamente von den großen pharmazeutischen Firmen.
Für eine erfolgreiche Organtransplantation mussten bisher sowohl der Bluttyp als auch der Gewebetyp passen. Durch die Weiterentwicklung von Medikamenten gegen Abstoßungsreaktionen ist die Übereinstimmung der Gewebe bei der Transplantations-Chirurgie jetzt verzichtbar. Unter Einsatz starker Medikamente gegen die Abstoßungsreaktion sind jetzt Transplantationen von einem Spender an einen Empfänger möglich, deren Gewebetypen nicht zueinander passen. Nur der passende Bluttyp ist wichtig. Gewebekompatibilität wird empfohlen, um nicht zu stark auf Medikamente gegen Organabstoßungen angewiesen zu sein, aber sie ist nicht länger zwingend erforderlich. Das chinesische medizinische System ist sehr stark auf Medikamente gegen Abstoßungsreaktionen angewiesen.
Internationale pharmazeutische Unternehmen verhalten sich gegenüber dem chinesischen Transplantationssystem so wie jedes andere Unternehmen auch. Sie stellen keine Fragen. Sie wissen nicht, ob ihre Medikamente bei Empfängern eingesetzt werden, deren Organe unfreiwillig von Gefangenen gegeben wurden oder nicht.
In vielen Ländern gibt es Kontrollregelungen für den Export, die den Export bestimmter Produkte völlig verbieten und für den Export anderer Produkte eine staatliche Genehmigung verlangen. Aber unseres Wissens verbietet kein Staat den Export nach China von Medikamenten gegen Organabstoßungen, die bei Transplantationspatienten eingesetzt werden.
Zum Beispiel beinhalten die kanadischen Im- und Exportgesetze folgendes:
„Niemand darf Waren exportieren oder versuchen zu exportieren, die auf einer Exportkontrollliste stehen, oder irgendwelche Güter in ein Land exportieren, das auf einer Länderkontrollliste steht, ausgenommen unter Aufsicht von und in Abstimmung mit einer Behörde, die eine Exporterlaubnis ausgestellt hat.“ 26
Aber Medikamente zur Vorbeugung von Organabstoßungen bei Transplantationen sind nicht in der Länderliste für China aufgeführt.
18) Übernahme von Nachbehandlungskosten in anderen Ländern
Manche staatlichen Gesundheitssysteme sehen die Kostenübernahme für Behandlungen im Ausland in der Höhe vor, wie sie für diese Behandlungen im eigenen Land entstehen würden. In keinem dieser Länder besteht unseres Wissens ein Verbot der Kostenübernahme, wenn der Patient eine Organtransplantation in China durchführen lässt.
Transplantationstouristen benötigen eine Nachbehandlung in ihrem Heimatland. Sie benötigen weiterhin die Verordnung und Anwendung von Medikamenten zur Verhinderung von Organabstoßungen. In Ländern mit staatlichem Gesundheitssystem ist typischerweise auch die Übernahme der Kosten für diese Art von Nachbehandlung vorgesehen.
Und auch hier spielt es für die Kostenträger keine Rolle, wie der Empfänger an das Organ gelangt ist. Die Tatsache, dass das Organ vielleicht von einem Gefangenen in China stammt, der seine Einwilligung nicht gegeben hat und der wegen dieses Organs getötet wurde, ist für den ausländischen Kostenträger bei der Kostenübernahme der Nachsorge für den Organempfänger einfach irrelevant.
c) Betrachtungen speziell zu Falun Gong
19) Eine vermutete Bedrohung
Die überwiegende Mehrheit der in China aus Gewissensgründen Inhaftierten gehört zu Falun Gong. Schätzungsweise zwei Drittel der Folteropfer in chinesischen Gefängnissen gehören zu Falun Gong. Die extreme Sprache, derer sich das chinesische Regime gegenüber Falun Gong bedient, ist ohne Beispiel und passt nicht zu der vergleichsweise milden Kritik, die China gegenüber Opfern äußert, die gewöhnlich vom Westen verteidigt werden. Die jährlich dokumentierte Anzahl der willkürlich getöteten und vermissten Falun Gong-Praktizierenden übersteigt bei weitem die jeder anderen Opfergruppe.
Warum unterdrückt und denunziert die chinesische Regierung so bösartig und brutal gerade diese Gruppe - mehr als alle anderen? Die chinesische Standardantwort lautet, Falun Gong sei eine bösartige Sekte.
Falun Gong hat keinerlei Charakteristika einer Sekte. Es ist keine Organisation. Es gibt keine Mitgliedschaft, keine Büros und keine Angestellten.
DAVID OWNBY, der Direktor des Zentrums für Ostasienstudien an der Universität von Montreal und Spezialist für moderne chinesische Geschichte, schrieb vor sechs Jahren eine Studie über Falun Gong für das Kanadische Institut für internationale Beziehungen. Er führte aus, dass Falun Gong, anders als bei Sekten, keine finanziellen Verpflichtungen, Isolation der Praktizierenden in Kommunen oder Rückzug aus der Welt kennt. Er sagt:
„Falun Gong-Mitglieder bleiben in der Gesellschaft. Die meisten von ihnen leben in ihrer normalen (Kern-) Familie. Sie gehen zur Arbeit; schicken ihre Kinder in die Schule.“27
Es gibt keine Strafe, wenn man Falun Gong verlässt, da es nichts zu verlassen gibt. Die Praktizierenden können Falun Gong so viel oder wenig praktizieren, wie es für sie passt. Sie können jederzeit damit beginnen oder aufhören. Sie können die Übungen einzeln oder in Gruppen machen.
LI HONGZHI, der Autor der Bücher, die die Falun Gong-Praktizierenden anleiten, wird von den Praktizierenden nicht angebetet. Er erhält keinerlei Spenden von ihnen. Er ist eine Privatperson, die sich selten einmal mit den Praktizierenden trifft. Seine Ratschläge an die Praktizierenden sind frei zugänglich – Vorträge auf Konferenzen und veröffentlichte Bücher.
Dass die chinesische Regierung Falun Gong als „bösartige Sekte“ bezeichnet, ist Teil der Unterdrückung von Falun Gong, ein Vorwand für die Unterdrückung und eine Verleumdung, Anstiftung zum Hass, zu Entpersonalisierung, Ausgrenzung und Entmenschlichung von Falun Gong. Aber diese Bezeichnung erklärt nicht, warum es zu der Unterdrückung kam. Die Bezeichnung „bösartige Sekte“ ist eine frei erfundene Anschuldigung, die als Werkzeug für die Verfolgung dient, aber nicht ihr Grund ist. Der Grund liegt woanders.
Um die Übereinstimmung hervorzuheben, wurden alle chinesischen Übungspraktiken oder Qi Gong, in all ihren Abwandlungen, von der KPC nach ihrer Machtergreifung 1949 unterdrückt. In den 90er Jahren ließ der Druck des Polizeistaates auf alle Formen von Qi Gong, inklusive Falun Gong, nach.
Falun Gong enthält Elemente des Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus. In seiner Essenz lehrt es Meditationsmethoden anhand von Übungen, die die körperliche und geistige Gesundheit und Fitness verbessern sollen. Die Bewegung hat keine politische Ebene; ihre Anhänger versuchen, Wahrhaftigkeit, Toleranz und Nachsicht über alle Schranken von Rasse, Nationalität und Kultur hinweg zu fördern. Gewaltanwendung ist absolut ausgeschlossen.
Li ließ seine Bewegung bei der staatlichen Qi Gong Forschungsgesellschaft eintragen. Zu einer Zeit, als die Bewegung schon bei den offiziellen Stellen in Ungnade gefallen, aber noch nicht verboten war, Anfang 1998, siedelte Li um in die Vereinigten Staaten. Falun Gong aber blühte weiter auf. 1999 schätzte die Jiang-Regierung die Anhängerschaft auf 70 Millionen. Im selben Jahr hatte die KPC etwa 60 Millionen Mitglieder.
Bevor Falun Gong im Juli 1999 verboten wurde, trafen sich die Anhänger regelmäßig überall in China, um zusammen die Übungen zu machen. Allein in Peking gab es über 2.000 Übungsplätze.
Im April 1999 veröffentlichte die Kommunistische Partei in der Zeitschrift „Wissenschaft und Technik für die Jugend“ einen Artikel, der Falun Gong als Aberglaube und Gesundheitsrisiko darstellte, mit der Begründung, dass Praktizierende bei schweren Krankheiten möglicherweise die konventionelle medizinische Behandlung ablehnen würden. Daraufhin protestierten viele Falun Gong-Anhänger vor dem Redaktionsbüro in Tianjin gegen den Inhalt des Artikels. Verhaftungen und Prügel durch die Polizei waren die Folge.
Um Petitionen gegen die Verhaftungen beim Petitionsbüro der Zentralregierung in Peking einzureichen, versammelten sich am 25. April 1999 von Sonnenaufgang bis in die späte Nacht hinein 10.000 bis 15.000 Falun Gong-Praktizierende vor dem Regierungssitz der Kommunistischen Partei in Zhongnanhai, in der Nähe der Verbotenen Stadt in Peking. Die Versammlung verlief ruhig, ohne Spruchbänder.28 Jiang war alarmiert durch die