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AP, Anita Chang / 09.03.08
Spezialeinheiten der chinesischen Militärpolizei beschützen olympische Fackel – Entrüstung bei Athleten
Peking – Die olympische Fackel wird auf ihrem von Protesten gesäumten Weg von Chinesen in blauen Trainingsanzügen beschützt. Die von Peking nur als „Fackelbegleiter“ bezeichneten Männer sind Mitglieder von Eliteeinheiten der chinesischen Militärpolizei. Die Spezialeinheit von 30 Mann soll die Fackel rund um die Welt vor aufdringlichen Protesten beschützen. Ihr rabiates Vorgehen in London und Paris hat nun viele Fragen zum Einsatz der Blaumänner aufgeworfen.

Die Männer in Blau - hier in London - sind Mitglieder von Chinas paramilitärischen Einheiten. (AP Photo/Ian Walton, File)
Nähere Bekanntschaft mit den chinesischen Polizisten machte die französische Journalistin Yolaine de la Bigne, die in Paris Fackelträgerin war. Sie wollte ein Haarband mit der Tibet-Flagge tragen, wurde aber von den Militärpolizisten daran gehindert. „Sie haben es gesehen. Nach vier Sekunden stürzten sich plötzlich alle chinesischen Sicherheitskräfte auf mich“, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Es seien fünf oder sechs gewesen, die auf englisch gerufen hätten: „No, no, no!“ Zwei französische Athleten kamen ihr zur Hilfe, wurden aber in Sekunden von den Chinesen zur Seite gedrängt.
Auch in London hat der Einsatz der fremden Spezialkräfte für Irritationen gesorgt. Wie weit ihre rechtlichen Befugnisse als ausländische Leibwächter der Flamme gingen, blieb dabei unklar. Der viermalige Olympiamedaillengewinner und Leiter des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in London 2012, Sebastian Coe, bezeichnete die Chinesen als „Schlägertypen“. „Sie haben drei Mal versucht, mich aus dem Weg zu drängen. Sie sind schrecklich“, sagte der frühere Mittelstrecken-Champion.
Kampfsport und Bergläufe als Training
Die Militärpolizei wird in China vielseitig eingesetzt. Sie bekämpft Waldbrände, steht aber auch bei Demonstrationen oft in der ersten Reihe. Die 30 Fackelbegleiter wurde aus Spezialeinheiten der Militärpolizei ausgewählt. Die Anforderungen für den Job sind eindeutig: Die Rekruten sollen „groß, kräftig, gut aussehend und in athletischer Körperverfassung“ sein, wie staatliche chinesische Medien berichteten.
Die Mitglieder der Spezialeinheiten gelten als Meister der Schießkunst, auch beherrschen sie verschiedene Kampfsportarten. Für die Qualifikation zum Fackelträger mussten die Militärpolizisten täglich einen rund zehn Kilometer langen Berglauf absolvieren und Schlüsselworte wie „Stopp“ oder „Schneller“ in verschiedenen Sprachen lernen.

Einsatz in London. (AP Photo/Yui Mok, File)
„Sie wirkten wie Roboter“
Das bekamen die Athleten auch zu hören: „Sie gaben schneidende Befehle wie 'Rennen!', 'Anhalten!', und ich fragte mich nur: Meine Güte, wer sind diese Leute? Ständig drückten sie meinen Arm nach oben, mit dem ich die Fackel hielt“, sagte die frühere TV-Moderatorin Konnie Huq dem britischen Fernsehsender BBC nach dem Fackellauf am Sonntag. „Die Männer in Blau machten jeden verdutzt. Niemand schien zu wissen, wer sie waren. Sie wirkten wie Roboter.“
Die französischen Fackelträger waren ebenfalls wütend auf die Männer in Blau mit ihren schwarzen Sonnenbrillen. „Sie haben uns angespuckt, sie haben vor niemandem Respekt“, schimpfte Judoka David Douillet, Athleten-Sprecher beim Französischen Olympischen Komitee. Ihm selbst haben sie die Fackel abgenommen und einfach ausgemacht. „Alle, die das 'Glück' hatten, die Fackel zu tragen, sind schockiert“, sagte er der Sportzeitung „L'Équipe“.
„Es gab Gewalt und einen schrecklichen Mangel an Erfahrung. Wenn sie die Probleme, die sie am Montag hatten, in Peking genau so hart und amateurhaft angehen, werden die Spiele ein Gefängnis.“ Douillet wollte sich am (heutigen) Mittwoch offiziell bei IOC-Präsident Jacques Rogge beschweren.
Bei dem rund 9,6 Kilometer langen Fackellauf durch San Francisco wurden am Mittwoch ebenfalls wieder heftige Proteste erwartet. Auch in den USA sollten die Militärpolizisten wieder zum Einsatz kommen. Dies entspreche der Übereinkunft mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und sei übliche Routine, erklärte die chinesische Botschaft in London.
Internationaler Fackellauf erstmals von Nazis inszeniert
Der internationale Teil des Fackellaufs wurde erst im 20. Jahrhundert eingeführt. Erstmals wurde die Fackel vor den von NS-Propaganda geprägten Spiele von Berlin 1936 durch mehrere Länder getragen. In zwölf Tagen wurde die Fackel damals vom antiken Olympia über den Balkan und Ungarn nach Berlin gebracht. Die NS-Strategen hatten dazu große, blonde und blauäugige Fackelträger ausgewählt.
In der jüngsten Vergangenheit fand das Ereignis geringere Beachtung. Bei den Spielen in Sydney im Jahr 2000 folgte ein uniformierter Wachmann dem Fackellauf, nach den Anschlägen am 11. September 2001 wurde die Sicherheit jedoch verstärkt. Die heftigen Proteste gegen die chinesische Tibetpolitik anlässlich des Fackellaufs lassen das IOC inzwischen erwägen, den internationalen Lauf abzubrechen oder künftig gar nicht mehr zu veranstalten. |