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Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking, Tagesschau / 25.08.08
Die dunklen Seiten jenseits des Feuerwerks
Zum Abschluss der Olympischen Spiele hat sich China selbst gefeiert und Lob geerntet. Doch Zusagen zur Presse- und Meinungsfreiheit wurden gebrochen. Journalisten berichteten von teils massiven Behinderungen, und keine einzige Demonstration wurde genehmigt.
Eine Welt, ein Traum - lautet das olympische Motto. Für die Pekinger Regierung war der Traum ein voller Erfolg. Athleten, Sportfunktionäre, Politiker und Zuschauer waren begeistert. Sie lobten die Stadien, die perfekte Organisation und die Freundlichkeit der chinesischen Gastgeber. Von den dunklen Seiten war keine Rede.
Die Olympischen Spiele hätten gezeigt, dass China wieder eine starke Nation sei. Mit solchen Worten zogen viele chinesische Medien Bilanz. Dass das Internet nicht komplett freigegeben war, wie versprochen, und dass Journalisten bei ihrer Arbeit behindert wurden, wurde unter den Teppich gekehrt.
ARD-Fernsehkorrespondent Jochen Graebert bekam die weitreichende Macht des Staatsapparates zu spüren, als er Zen Jiayan, die Frau des inhaftierten Regimekritikers Hu Jia besuchen wollte. "Während wir warteten, dass wir in den Wohnblock der Frau des Regimekritikers hereinkommen, sind freiwillige Olympiahelfer angekommen - aber nicht um uns zu helfen, sondern um uns zu attackieren", berichtet Graebert. "Unser Kameramann hatte dann eine Schnittwunde über der Stirn." Das Team sei daraufhin in den Wagen geflüchtet. Unterdessen sei die Straße blockiert worden.

Zahlreiche Sicherheitskräfte waren im Einsatz, auch um Demonstrationen zu verhindern. (Foto: AFP)
Keine einzige Demonstration genehmigt
Der Club der Auslandskorrespondenten in Peking listet 30 Fälle auf, bei denen Reporter seit Ende Juli massiv und auch mit Gewalt bei ihrer Arbeit behindert wurden. Um der Welt zu beweisen, dass China durchaus auch Kritik einstecken kann, wurden in drei Pekinger Parks Protestzonen eingerichtet. Dort sollten angemeldete Demonstrationen erlaubt sein. Keine einzige wurde genehmigt. Stattdessen reagierten die chinesischen Behörden mit Einschüchterung und Willkür.
Die bekanntesten Fälle sind der Oppositionelle Ji und zwei Rentnerinnen: Ji wurde abgeführt, als er seinen Demonstrationsantrag abgeben wollte, und ist seitdem verschwunden. Den beiden älteren Damen wurde mit Arbeitslager gedroht, falls sie ihren Antrag nicht zurückzögen.
Die ehemalige Militärärztin Shan Chun reichte ebenfalls erfolglos einen Antrag ein. Die Protestzonen, so sagt sie, seien von Beginn an eine Farce gewesen. "Die chinesische Regierung weiß genau: Wenn sie einem Antrag stattgeben würde, dann kommen zigtausende nach, die auch protestieren wollen", sagte sie. "Das hätten sie nicht mehr kontrollieren können. Unsere Regierung hat so viel Angst. Sie wissen genau: Durch die Medaillen, die hier gewonnen werden, werden die Unzufriedenen nicht glücklich." Dem einfachen chinesischen Volk hätten die Olympischen Spiele nichts gebracht.
Oppositionellen droht weiter Haft
Auch nach den Spielen müssen kritische Oppositionelle mit Repressalien, mit Hausarrest oder mit Inhaftierung rechnen, besonders wenn es um das heikle Thema Tibet geht. Tibetinitiativen beklagen, dass die Tibeter von den Chinesen unterdrückt werden. Was genau in Tibet los ist, weiß bis heute kaum jemand genau. Nach den schweren Unruhen im März wurde die Region abgeriegelt. Bis heute dürfen Journalisten dort nicht auf eigene Faust Interviews führen. Trotz allem zog der Chef des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, eine positive Bilanz. China habe die Welt und die Welt China besser kennengelernt, sagte Rogge.
Die chinesischen Bürger auf der Straße drücken das anders aus. Für sie waren die Olympischen Spiele vor allem ein Beweis dafür, dass China in der Welt eine wichtige Rolle spielt. "Das Ausland kritisiert unsere Menschenrechtssituation", sagt ein Passant. Doch China könne es nicht akzeptieren, wenn die Europäer den Chinesen ihre Sichtweise aufdrücken wollten.
Ein anderer Bürger kommt zu folgender Einschätzung: "Die Olympischen Spiele haben die Einheit unserer Nation gestärkt, sie haben unsere Stärke gezeigt. Was die Menschenrechte betrifft: China wird seine Probleme da selber lösen mit seinen eigenen Mitteln. Da haben die Olympischen Spiele keinen Einfluss." |